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EZB signalisiert weitere Zinssenkungen angesichts sinkender Inflation – Kreditkosten unter 3 % in Sicht
OL
Olivia Scott
vor 2 Wochen
Die Europäische Zentralbank (EZB) legt die Grundlage für eine ausgedehnte Phase von Zinssenkungen, da die politischen Entscheidungsträger zunehmend zuversichtlich sind, dass der Höhepunkt des Inflationsschocks in der Eurozone überschritten ist. Marktteilnehmer und Ökonomen sehen nun eine wachsende Wahrscheinlichkeit, dass der Hauptrefinanzierungssatz der Zentralbank bis Ende 2026 unter 3 % fallen wird – ein Niveau, das eine deutliche Lockerung gegenüber dem Höhepunkt des aktuellen Zyklus darstellen und der kriselnden Wirtschaft des Blocks neuen Schwung verleihen würde.Auf ihrer jüngsten geldpolitischen Sitzung beließ die EZB ihren Leitzins bei 3,5 %, nachdem sie im Juni eine Zinssenkung um einen Viertelprozentpunkt vorgenommen hatte, die erste seit fünf Jahren. Der Hauptrefinanzierungssatz, der als Benchmark für die Liquidität der Geschäftsbanken dient, liegt derzeit bei 3,65 %. Obwohl die Zentralbank keine konkrete Roadmap zugesagt hat, hat Präsidentin Christine Lagarde wiederholt betont, dass zukünftige Entscheidungen datenabhängig bleiben werden, wobei Inflationsentwicklungen und Lohnwachstum als primäre Wegweiser dienen.Die jüngste Inflationsrate für die Eurozone lag bei 2,5 % im Jahresvergleich und damit deutlich unter den zweistelligen Spitzenwerten von Ende 2022. Auch die Kerninflation, die volatile Lebensmittel- und Energiepreise ausklammert, hat sich auf 2,9 % abgeschwächt.Die Verlagerung der Haltung der EZB spiegelt eine breitere Neubewertung der globalen Zentralbanken wider. Die US-Notenbank (Federal Reserve) hat signalisiert, dass auch sie in diesem Jahr mit Zinssenkungen beginnen könnte, während die Bank of England ihren Leitzins bereits einmal gesenkt hat. Für die Eurozone wird die Notwendigkeit weiterer Lockerungen durch eine fragile wirtschaftliche Erholung gestützt. Das BIP des Blocks wuchs im zweiten Quartal nur um 0,3 %, wobei Deutschland, die größte Volkswirtschaft, eine Kontraktion gerade noch vermied. Die Industrieproduktion bleibt schwach, und Umfragen zur Unternehmensstimmung deuten auf eine anhaltende Flaute im Industriesektor hin. Gleichzeitig hat der Dienstleistungssektor mehr Widerstandsfähigkeit gezeigt, gestützt durch stetige Konsumausgaben und einen robusten Arbeitsmarkt, der die Arbeitslosigkeit auf einem Rekordtief von 6,4 % gehalten hat.Ein Schlüsselfaktor für die Beratungen der EZB ist das Tempo der Desinflation im Dienstleistungssektor, das aufgrund von Lohndruck hartnäckiger war als die Wareninflation. Das tarifliche Lohnwachstum in der Eurozone blieb mit rund 4,3 % im ersten Quartal hoch, obwohl es erste Anzeichen dafür gibt, dass die Lohnsteigerungen nachlassen. EZB-Vertreter haben darauf hingewiesen, dass die Unternehmensgewinne einen Teil der höheren Arbeitskosten absorbieren, was dazu beitragen könnte, die Weitergabe an die Verbraucherpreise zu verringern. Dennoch sehen die eigenen Prognosen des Zentralbanksystems, die im Juni veröffentlicht wurden, die Inflation erst im vierten Quartal 2025 wieder auf das Ziel von 2 % zurückkehren – eine Zeitachse, die nahelegt, dass die Politik auf absehbare Zeit restriktiv bleiben wird.Wenn die EZB die von den Märkten eingepreisten Zinssenkungen liefert, könnte der Hauptrefinanzierungssatz bis Ende 2026 unter 3 % fallen – ein Szenario mit tiefgreifenden Auswirkungen für Haushalte, Unternehmen und Regierungen in der Währungsunion. Niedrigere Kreditkosten würden die Belastung für Hypothekeninhaber und Unternehmenskreditnehmer verringern und potenziell Investitionen freisetzen, die während des Hochzinsumfelds verschoben wurden. Es würde auch den fiskalischen Druck auf hochverschuldete Mitgliedstaaten wie Italien und Griechenland verringern, die in den letzten Jahren höhere Zinskosten zu tragen hatten. Einige politische Entscheidungsträger haben jedoch vor zu schnellem Handeln gewarnt und davor, dass eine vorzeitige Lockerung die Inflation neu entfachen und die Glaubwürdigkeit der geldpolitischen Haltung der EZB untergraben könnte.Die Debatte im EZB-Rat wird sich in den kommenden Monaten wahrscheinlich intensivieren, da neue Daten zu Löhnen, Produktivität und Energiepreisen verfügbar werden. Die nächste geldpolitische Sitzung der EZB ist für September angesetzt, und obwohl eine Zinssenkung keine ausgemachte Sache ist, erwarten viele Analysten, dass die Zentralbank ihren Lockerungszyklus noch vor Jahresende wieder aufnehmen wird. Der Weg zu Zinssätzen unter 3 % ist nicht ohne Hindernisse, aber die Richtung scheint klar: Die Ära der ultra-restriktiven Geldpolitik in Europa nähert sich ihrem Ende, und der Fokus verschiebt sich auf die Unterstützung des Wachstums, ohne die hart erkämpften Gewinne bei der Inflation zu gefährden.
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